If you want to understand life - build it. (Stewart Dean Jan)
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  Künstliches Leben - eine kurze Einführung
Vorgeschichte - Das kinematische Modell - Zellulare Automaten
 
     
 
  Vorgeschichte

Leben wird seit Menschengedenken mit einer göttlichen Macht in Verbindung gebracht. Der Unterschied zwischen toter und lebender Materie war, so glaubte man, der Besitz von Lebenskraft, der "vis vitalis". Diese Lebenskraft stammte von Gott.

Man versuche schon immer, das göttliche Phänomen des Lebens nachzuahmen. Bereits in der griechischen Mythologie wird von Versuchen erzählt, Kreaturen künstlich zu schaffen, laut einer jüdischen Fabel erschuf ein Rabbi aus einem Lehmklumpen einen Golem. Ein klassisches Beispiel für den Versuch des Menschen, Gott zu spielen, ist Mary Shelleys berühmter Roman "Frankenstein".
In der Neuzeit mit ihrem rasanten technischen Fortschritt wird nun immer mehr versucht, künstliches Leben zu schaffen. Ein frühes Beispiel dafür ist die Turmuhr von Bern, die ca. 1530 gebaut wurde. Zu jeder vollen Stunde marschieren lebensecht animierte Figuren um einen zufrieden nickenden Uhrenkönig.

Jaques de Vaucanson konstruierte 1738 eine künstliche Ente, die trinken, fressen, quaken, im Wasser planschen und sogar ihr Futter verdauen konnte.

Den ersten Schritt in Richtung Künstliches Leben vollzog der Mathematiker Alan Turing in einem Gedankenexperiment, der "Finite State Machine". Es handelt sich dabei um eine Art Tonbandgerät das nach bestimmten Regeln Aufgaben abwickelt. Turing gelang es später, mathematisch zu beweisen, dass seine Maschine einen universellen Computer darstellte, mit dem man (wenn man genügend Zeit zur Verfügung hat) jede beliebige Maschine nachahmen konnte, deren Verhalten in allen Einzelheiten beschrieben werden konnte. Er stellte außerdem die Hypothese auf, dass dies nicht nur für Maschinen, sondern auch für die Natur gelte.



  Das kinematische Modell

Als geistiger Vater von künstlichen Leben gilt John von Neumann. Angespornt von der Turing Maschine entwarf er einen Lebensautomaten, das "kinematische Modell". Von Neumann stattete den Automaten mit dem wichtigsten Kriterium des Lebens aus: Der Selbstreproduktion.

Von Neumann hatte erkannt, dass eine wichtige Vorraussetzung des Lebens das Vorhandensein und die Weitergabe von Informationen darstellte. Deshalb hatte sein Modell auch eine Art DNA, Informationen auf einen Datenträgerband gespeichert. Und das, obwohl das kinematische Modell Jahre vor der Entdeckung des DNA-Moleküls entworfen wurde. Durch Fehler beim Kopieren von Informationen bei der Reproduktion konnte es auch bei dem kinematischen Modell durchaus zu Mutationen kommen.

Allerdings gab es bei diesem Modell einen ernüchternden Kritikpunkt: Zu viele offene Fragen, die Gleichung hatte zu viele unbekannte. Auch wenn von Neumann die logischen Vorraussetzungen zur Lösung des Problems lösen hatte können, die Technologie zur Umsetzung seiner Idee würde auch Jahrzehnte später nicht realisiert sein.



  Zellulare Automaten

Als John von Neumann erkannte, dass es in absehbarer Zeit unmöglich war, das kinematische Modell in die Wirklichkeit umzusetzen, versuchte er, das Modell in eine realisierbare Form zu bringen. Aufgrund von Vorschlägen seines Freundes, des Mathematikers Stanslaw Ulam, übertrug er das Kinematische Modell in eine Umgebung, die nur auf Gesetzen der Logik beruhte. Das neue Universum bestand aus einem riesigen, zweidimensionalen Gitter, dessen Felder 29 Zustände annehmen konnten, die einem bestimmten Regelwerk folgten. Jede Zelle fungierte also als Finite State Machine. Leider konnte von Neumann seinen Entwurf nicht mehr fertig stellen, da er 1954 unheilbar an Krebs erkrankte und bald darauf starb.

In den späten sechziger Jahren griff der Mathematiker John Horton Conway die Idee vom zellularen Automaten wieder auf und entwickelte "Life". Dies ist eine vereinfachte Version des Vorschlags von von Neumann. Bei "Life" hat jede Zelle nur zwei Zustände: schwarz oder weiß, lebendig oder tot. Jede Zelle folgt sehr einfachen Regeln:

  1. Sie überlebt den nächsten Taktzyklus, wenn zwei oder drei ihrer Nachbarn leben.
  2. Sie stirbt, wenn es mehr oder weniger sind.
  3. Sie kann wiedergeboren werden, wenn sie genau drei lebendige Nachbarn hat.
Aufgrund dieser Regeln bildeten sich einige Konstellationen, die immer wieder auftraten, z.B.: den "Gleiter", der sich alle vier Taktzyklen um ein Feld weiter bewegte. "Life" war am Boden eines Büros in Cambridge gestartet worden. Das es allerdings bald enorme Ausmaße erreichte, kam man auf die Idee, es auf dem Computer umzusetzen. Diese hatten damals gerade genügend Rechnerkapazitäten, um "Life" laufen zu lassen.

Einen anderen Zellularautomaten entwarf zu Beginn der achtziger Jahre der Wissenschaftler Stephen Wolfram. Seine eindimensionaler Automat bestand aus einer Zeile mit Zellen. Jeden neuen Zyklus wurde eine neue Zeile mit Zellen darunter gelegt. Die neuen Zellen nahmen dabei, abhängig von den drei darüber liegenden, auch den Zustand lebendig oder tot an.



Am Beginn der achtziger Jahre griff auch Christopher Gale Langton die Idee der zellularen Automaten auf. Er erschuf jedoch wesentlich komplexere Systeme (bei einem seiner ersten Modell konnte eine Zelle acht Zustände annehmen). Er zählt, neben von Neumann, zu den wichtigsten Wissenschaftlern im Bereich künstliches Leben.

Quelle: Fachbereichsarbeit von Daniel Sperl (komplette Arbeit hier)